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Die Erdbestattung Unter einer Erdbestattung (auch: Inhumation) versteht man die Beisetzung des Leichnams in ... weiter lesen

Buchrezension von Annabel Karbe

Wenn die alten Eltern sterben

Das Buch „Wenn die alten Eltern sterben“ von Barbara Dobrick wurde mit dem Wilhelmine-Lübke-Preis ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt. In dritter Auflage erschienen, thematisiert die Autorin den lange vernachlässigten „Alterstod“.

Um das Bemerkenswerte des Buches mit dem Untertitel „Das endgültige Ende der Kindheit“ gleich zu Beginn zu nennen: Barbara Dobrick gelingt es nicht nur, den erwachsenen Kindern als Hinterbliebene das Recht auf Trauer zuzusprechen; sie fächert die Gefühle der Trauernden auch in einen ganzen Kanon auf: „Ohnmacht, Verzweiflung und Angst, Wut, Hass und Schuldgefühle, Erleichterung, Liebe und Sehnsucht".

 

Schon in der Zeit vor dem Tod der Eltern können diese Gefühle bei den Kindern zutage treten. Zu erleben, wie die eigene Mutter oder der eigene Vater altert, vielleicht auch erkrankt und pflegebedürftig wird, kann hart bis unerträglich sein. Barbara Dobrick zitiert eine 60-jährige Frau, die voller Wut auf ihre 90-jährige Mutter ist: „Weil ich an meine neue Mutter noch nicht gewöhnt bin. Weil ich ihr die Vergreisung nicht verzeihe.“

 

Jedes erwachsene Kind reagiert mit anderen Gefühlen auf dieses „neue Zeitalter“, gespeist auch aus den Erfahrungen, die es bisher mit seinen Eltern gemacht hat. Barbara Dobrick meint: „Kinder, die liebevoll versorgt und beschützt worden sind, können und möchten etwas zurückgeben, können die alten Eltern bemuttern, auch als Sohn.“ Dass auch diese Kinder an ihre Grenzen stoßen können, wenn es zu andauernder Pflege, zu intimster Versorgung, den Wunsch nach Zärtlichkeit seitens des Elternteils kommt, das beschreibt die Autorin ehrlich.

 

Und ihre Ehrlichkeit zieht sich durch die Beschreibung aller Stationen, die erwachsene Kinder nach dem Tod ihrer Eltern durchlaufen. Barbara Dobrick erzählt von Hinterbliebenen, die sich schämten, als sie sich bewusst machten, wie abhängig sie ihr Gefühl von Sicherheit vom Dasein ihrer Eltern machten. Sie zitiert auch erleichterte Kinder – nicht nur erleichtert, weil sie von der Last andauernder Pflege befreit sind, sondern auch, weil sie sich vom Wesen eines Elternteils befreit fühlen. Letzteres erlebte die Schriftstellerin Marie Cardinal: „Sie hat es hinter sich gebracht und ich auch. Sie war nun frei und ich auch. Sie war geheilt und ich auch.“

 

Das ist harter Tobak, den Barbara Dobrick mithilfe ihrer geführten Interviews und Recherchen da an die Öffentlichkeit trägt, denn es herrscht noch immer der Anspruch, über Tote nur Gutes zu reden. Den Trauernden hilft es aber nicht unbedingt weiter, und das Buch lädt sie dazu ein, sich mit all ihrer Gefühlswelt wahr- und ernstzunehmen.

 

Dazu gehören auch Emotionen, die sie selber nicht im besten Licht erscheinen lassen. Spätestens beim Beschäftigen mit dem Erbe, was oft zum Hauptschauplatz der Trauerzeit wird, werden sie oft zu Streitenden. Bis zu handgreiflichen Szenen kann es da zwischen Geschwistern kommen, und Barbara Dobrick zitiert einen Hinterbliebenen, der sich mit seinen Brüdern im Streit ums Erbe verkeilt hat: „Es hat ein bisschen was mit Wahnsinn zu tun. Von außen kann man das überhaupt nicht kapieren.“

 

Letzteres könnte auch ein passender Untertitel für Barbara Dobricks Buch sein, denn sie zeigt Trauerprozesse auf, die für Menschen, die den Tod ihrer Eltern noch nicht erlebt haben, unverständlich sind. Die Autorin dazu: „Trauer kann nicht vorweggenommen werden, ein schmerzliches Erlebnis nicht wirklich antizipiert werden. Aber es ist ein großer Unterschied, ob jemand sagt: „Es ist schlimmer, als ich gedacht hatte, oder ob es heißt: Ich hätte nicht gedacht, dass es schlimm sein würde.“

 

In diesem Sinne ist das Buch nicht nur hilfreich für Menschen, die akut um ihre Eltern trauern, sondern auch für Menschen, die sich mit dem Tod ihrer Eltern vorab auseinandersetzen möchten. Welche Gefühle dann genau entstehen, ist die Kindheit "endgültig", wird jede und jeder immer noch für sich erfahren müssen. Vielleicht werden es auch stärkende Gefühle sein, denn, so Barbara Dobrick: „Es ist nicht nur möglich, dass Söhne und Töchter ratlos und bedrückt erkennen, wie sehr sie noch an die Eltern gebunden waren, wie heftig ihre Trauergefühle sind. Es kann auch sein, dass der Tod der Eltern in der Vorstellung nur Schrecken und Entsetzen auslöste, in Wirklichkeit aber zu größerer Unabhängigkeit und neuem Lebensmut führt.“

 

Das Buch ist im Kreuzverlag erschienen und kostet 17,95

 

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